Sonntagsausflug mit vielen privaten Geschichten

Am letzten Sonntag meines Aufenthaltes wollte ich gerne mal an den Malawi-See, um diese Sehenswürdigkeit des Landes auch zu erleben. Zum Glück hatte mein neuer Hausmitbewohner Eric den gleichen Plan, aber mit anderen „Hintergedanken“, die den Ausflug für mich noch interessanter machten als erwartet. Eric ist ein sportlicher 50jähriger Mathematikprofessor, der in Kapstadt (Südafrika) wohnt, aber aus der Gegend von Mzuzu stammt und gerade hier war um sich mit seinen Doktoranden zu treffen und ein wenig an der Mzuni (= Mzuzu University) zu lehren.

Eric mit seiner Schwester auf der Straße zum Malawi-See
Eric mit seiner Schwester auf der Straße zum Malawi-See

Morgens holten wir noch Erics Schwester in der Innenstadt ab, die als Grundschullehrerin in der Nähe des Raiply-Werkes arbeitet und deren Mann dort Forsttechniker ist. Nachdem die beiden unterwegs noch schnell einen Verwandten in einem Krankenhaus besucht hatten ging es auf der zum Glück von der deutschen Firma STRABAG gerade (größtenteils) sanierten und verbreiterten Straße in Richtung Nkhata Bay.

Es wurde eine Reise durch Erics persönliche Lebensgeschichte. Zuerst hielten wir an einem Haus, in dem einst ein Mann wohnte, der es ihm ermöglicht hatte, zu einer guten Secondary School in der Nähe zu gehen. Dieser Schulbesuch war die Grundlage dafür, dass aus einem Dorfjungen in den Malawischen Bergen ein Mathematikprofessor in Südafrika wurde (Eine Promotion in Wien war später auch noch ein Beitrag dazu!). Bald danach hielten wir schon wieder, weil er einen alten Schulfreund besuchen wollte, der der „Chief“ der ganzen Region ist. Während ich mit seiner Schwester wartete, konnte ich die Dorfjugend beobachten.

Kinder auf dem Lande
Kinder auf dem Lande
Begeisterter Empfang für Eric
Begeisterter Empfang für Eric

Wenig später bogen wir wieder von der Straße ab und kamen nach einem kleinen Spaziergang zu einer idyllischen Hofanlage, wo wir trotz des unerwarteten Besuches von einem entfernten Cousin von Eric herzlich empfangen wurden. Es gab ganz viel zu erzählen und frische Mangos direkt vom Baum zu essen (gern auch mit Schale!).

 

Gemütliche Gespräche
Gemütliche Gespräche
Frische Mangos vom Baum zum Reinbeißen
Frische Mangos vom Baum zum Reinbeißen

Nachdem wir auch noch einen halben Sack voller Mangos eingepackt bekommen hatten drängte Eric zum Aufbruch, sodass wir am späten Mittag in Nkhata Bay ankamen. Dort genossen wir ein Fischessen mit Blick auf den See und die frische Brise. Eric schwamm dann auch noch eine Runde in dem wunderbar warmen Wasser, während ich mich auf einnen kurzen Strandspaziergang beschränkte.

Nkhata Bay am Malawi-See
Nkhata Bay am Malawi-See

Abends hatte ich dann noch eine Einladung zum Abendessen bei meinem „Arbeitszimmergenossen“ Lubayo Mwabumba und seiner Frau. Dabei tauschten wir uns intensiver über unsere Familiengeschichten aus. – Insgesamt war das also ein überaus toller Tag in Malawi.

Die letzten drei Tage verbringe ich nun noch im Büro, bei Vorlesungen und mit Vorbereitungen für meine Rückreise. Am Donnerstag begleitet mich dann mein Kollege Dominic Gondwe im Dienstwagen nach Lilongwe zum Hotel und am Freitag zum Flughafen. Dann heißt es Abschiednehmen von diesem schönen und interessanten Land und seinen liebenswerten Bewohnern.

Natürlich könnte ich über noch mehr Einzelheiten berichten, aber der Blog ist jetzt schon „ziemlich lang“. Mehr gibt es dann ggfs. bei Vorträgen nach meiner Rückkehr von meinem interessanten und wie ich heute denke – letztlich auch nützlichen – Einsatz im Rahmen des „Senior Experten Service“ (SES)!

Wir haben gestern einige Möglichkeiten diskutiert, auf welche Weise sich die etwas schwierigen Bedingungen für die forstliche Lehre und Forschung hier künftig verbessern lassen und wie wir dabei von deutscher Seite aus helfen könnten.

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