Kontrastprogramm am Samstag – Intensive Holzwirtschaft im Regen

Alte Kiefernbestände auf dem Viphya Plateau
Alte Kiefernbestände auf dem Viphya Plateau

Nach dem meist sonnigen Ortstermin am Donnerstag nördlich von Mzuzu fuhr ich dann am Samstag durch viele Regengüsse in die Berge südlich von Mzuzu, wo seit den sechziger Jahren mit Unterstützung der British Overseas Development Administration  insgesamt 50.000 ha mit Kiefern (vor allem Pinus patula und Pinus elliotii) und zum Teil auch mit Eucalyptus bepflanzt worden waren. Der urspüngliche Zweck dieser Plantagen war mal die Versorgung eines geplanten Zellstoffwerkes gewesen, das jedoch aus verschiedenen Gründen nicht realisiert wurde. So mussten andere Verwendungszwecke für das Holz gefunden werden, das hier nach 25 Jahren erntereif ist. Vor allem wurden und werden damit einige Sägwerke beliefert. Weitere Informationen dazu in einem Dokument der World Bank.

Bei diesem „Ausflug“ wurde ich von den Kollegen  Bennet Mataya (links) und Elisha Ngulube (rechts) begleitet.

Bennet Mataya, Ernst Kürsten und Elisha Ngulube im Viphya-Wald
Bennet Mataya, Ernst Kürsten und Elisha Ngulube im Viphya-Wald

Ziel dieser Fahrt war vor allem der Holzindustriekomplex der indischen Firma Raiply, wo wir einen Gesprächstermin mit dem CEO Krishnadas hatten.

Teil des Raiply-Werkes mit MDF-Produktion
Teil des Raiply-Werkes mit MDF-Produktion

Raiply betreibt an diesem Standort seit langem ein Sperrholzwerk und ein Sägewerk. Im Jahr 2011 wurde noch eine Anlage zur Herstellung von mitteldichten Faserplatten (MDF) in Betrieb genommen. Diese verwertet zu einen die Reststoffe (die 50% des bearbeiteten Stammholzes ausmachen) der beiden anderen Werke und außerdem Durchforstungsholz und Hiebsreste aus den Plantagen. Insgesamt 20.000 ha Konzessionsfläche stehen den Werken zur Verfügung. Hier erfolgt aus eigenem Interesse eine regelmäßige Wiederaufforstung der Hiebsflächen, im Gegensatz zu den von der Forstverwaltung bewirtschafteten Gebieten. Dort ist (oft illegaler) Holzeinschlag ohne Wiederaufforstung stark verbreitet. Dabei werden die Stämme meist gleich im Wald mit mobilen Sägen (wie in Mzuzu fotografiert) zu Schnittholz verarbeitet. Dabei bleiben die ca. 50% Sägemehl und Restücke ungenutzt im Wald zurück.

Allein diese Rohstoffverschwendung spricht dafür, das Holz lieber in modernen Großbetrieben verwerten zu lassen als durch semiprofessionelle Kleinunternehmer. Und – das muss ich nach dem Kennenlernen der örtlichen Verhältnisse so feststellen – nur ein Großbetrieb wie Raiply, der sehr viel an dem Standort investiert hat, hat das große Interesse und auch am ehesten die Macht, die Erhaltung der Plantagen zu bewirken. Ohne einen solchen privatwirtschaftlichen Gegenpol zu dem in den letzten Jahren verstärkten illegalen Holzeinschlag  ist eine Erhaltung der Waldbedeckung in diesem bergigen Gebiet kaum vorstellbar.

Aber Raiply sieht seine Existenz gefährdet durch die erhebliche Zunahme der Waldbrände (zumeist durch Brandstiftung ausgehend von anderen Holznutzern, die oft nicht aus der Region stammen!) besonders seit 2010. Durch den Einsatz von Soldaten seit zwei Jahren konnte das Problen etwas gemildert werden.

MDF-Plattenmuster mit verschiedenen Dekoren
MDF-Plattenmuster mit verschiedenen Dekoren

Die intensive forstliche Holzproduktion auf (theoretisch) 50.000 ha bewirkt nicht nur am ehesten die Erhaltung der ökologisch äußerst wichtigen Baumbedeckung des Berggebietes, sondern sie kann es dem rohstoffarmen Land auch ermöglichen, z.B.  Dachstühle aus eigenem Holz statt aus importiertem Stahl zu bauen oder moderne Büromöbel selbst zu produzieren statt sie auch China zu importieren. Auch Stromleitungen aus Eucalyptusstämmen sind ökologisch und ökonomisch sicherlich besser als aus Beton oder Stahl.

12 Jahre alte Eucalyptusplantage mit Stämmen für Leitungsmasten
12 Jahre alte Eucalyptusplantage mit Stämmen für Leitungsmasten

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