Deutsche und andere Exoten in Mzuzu

Am Samstagmorgen saß ich zunächst ein paar Stunden im Büro und habe mit Ingrid kommuniziert und mich ausführlich mit dem Kollegen Elisha Ngulube unterhalten, der zum Arbeiten gekommen war und sich Sorgen um mich machte, weil ich so einsam erschien. Wir hatten ein längeres sehr nettes Gespräch: Ihn vermisste zuhause keiner. Seine Frau macht auswärts eine Weiterbildungsstudium als Lehrerin und der Sohn verlustiert sich mit anderen jungen Leuten zuhause. Da konnte er im Büro lieber seine Vorlesungen vorbreiten.

Ein gemütlicher und interessanter Nachmittag mit Bernhard Schwarz (und seinem Adoptivsohn) in seinem Restaurant Soul Kitchen
Ein gemütlicher und interessanter Nachmittag mit Bernhard Schwarz (und seinem Adoptivsohn) in seinem Restaurant Soul Kitchen

Kurz bevor ich gegen 12 Uhr zum Supermarkt wollte, um meine Vorräte aufzufüllen und erste Mitbringsel zu erwerben, rief Bernhard Schwarz an. Er ist ein Deutscher, der seit etwa 20 Jahren in Mzuzu lebt. Wir verabredeten und gegen 13 Uhr in seinem Restaurant „Soul Kitchen“. Dort konnte ich mich dann gut verköstigen und habe Vieles über Bernhard und Malawi erfahren. Er hatte in Hohenheim Landwirtschaft studiert (und vorher Landmaschinenschlosser gelernt). Nach Aufenthalten in Nigeria und Südafrika (zum Teil zusammen mit einem Kommilitonen) hatte er dann Ende der Neunziger die Gelegenheit ergriffen und eine zum Verkauf stehende Macadamia-Plantage erworben, die er jetzt zum Jahresende aber abgeben will. Außerdem ist er im Anbau und der Verarbeitung von Kaffee tätig und ich wurde Zeuge wie ein älterer US-Bürger (aus Alaska) mit seinem Faltrad kam und fünf Pakete Kaffee erwarb, um Sie mit nach Hause zu nehmen. Dieser Mann arbeitet ehrenamtlich als Orthopäde in dem zentralen Krankenhaus, wo auch die beiden Norwegerinnen tätig sind und fliegt zwischendurch immer mal für ein paar Monate nach Hause um wieder ein wenig Geld zu verdienen.

Der amerikanische Arzt vor der Rückfahrt zum Krankenhaus
Der amerikanische Arzt vor der Rückfahrt zum Krankenhaus

Nach dieser interessanten Begegnung machte Bernhard mit mir einen Rundgang durch das benachbarte Marktviertel und zeigte mir zunächst den Rohbau seines neuen, größeren Restaurants. Dort beklagte er die Planungsfehler bezüglich der Ableitung von Regenwasser, das sich bei Starkregen irgendwie den Weg durch das Viertel bahnen muss.

Bernhards künftige neue Gaststätte (rechts mit rotem Vordachgerüst) gegenüber einer Ladenzeile mit Überschwemmungsproblemen
Bernhards künftige neue Gaststätte (rechts mit rotem Vordachgerüst) gegenüber einer Ladenzeile mit Überschwemmungsproblemen

Wegen meines Interesses an der Holzbearbeitung ging er dann mit mir zu einer Werkstatt, dessen Eigentümer interessante Tischlereimaschinen selbst baut und benutzt: Eine mit einer Kreissäge kombinierte Dickenhobelmaschine, eine mit einem Schleifstein kombinierte Drehmaschine, eine Bohrmaschine und eine Fräsmaschine. Mit dieser Ausrüstung macht er Zapfenlöcher und gerundete Bettpfosten und Stuhlbeine für die benachbarten Tischlerbetriebe her und schärft deren Werkzeuge. Ich erklärte ihm, dass in Deutschland aus solch kreativen Garagenwerkstätten über mehrere Generationen oft weltweit agieren Großunternehmen geworden seien und wünschte ihm viel Glück und Erfolg!

 Der Erfinder mit seiner selbst entwickelten Schleif-/Drehmaschine
Der Erfinder mit seiner selbst entwickelten Schleif-/Drehmaschine

Gegen Abend fuhren wir dann zu Bernhards anderem Geschäftsbetrieb, der berühmten Muzoozoozoo Lodge, eine Backpackerherberge mit Restaurant, die er vor Jahren mal übernaommen hatte. Dort fanden wir fünf junge deutsche Weltwärts-Freiwillige vor die gerade deutsche Fußball-Bundesliga schauten, u.a. den wichtigen 2:1-Sieg von Werder Bremen gegen B. Dortmund! Diese leben meist in entlegenen Dörfern im nördlich von Mzuzu unter sehr einfachen Bedingungen und verbrachten gerade ihr Wochenende hier. Ich unterhielt mich länger mit Max, einem neuzehnjährigen Abiturienten aus der Nähe von Münster, dessen Aufenthalt schon sehr „heftig“ mit einer sechsstündigen Fahrt vom Flughafen zum Einsatzort auf der offenen Ladefläche eines Jeeps begann. Und dann sollte er statt der vorgesehenen organisatorischen Tätigkeiten an einer Schule 20-/21-Jährige in Oberstufenmathematik usw. unterrichten. Da hat er dann aber nach ein paar Wochen lieber den Einsatzort gewechselt und hat jetzt an einer anderen Schule Aufgaben, die er besser bewältigen kann. Darüber berichtet er in senem Blog. Ein 27jähriger fertiger Lehramtsanwärter (Deutsch + Geschichte) aus Augsburg hat es da etwas leichter, auch wenn er an seiner Schule andere Fächer unterrichten muss. Das war schon ein interessanter und netter Erfahrungsaustausch mit den jungen Leuten dort. – Nebenbei backte noch eine junge deutsche Bäckergesellin aus Deutschland, die für eine Aktion von Kamps Brot („Brot gegen Not“) dort war, leckere Pizza für alle!

Bundesliga schauen in der Mzoozoozoo Lodge mit deutschen Weltwärts-Freiwilligen
Bundesliga schauen in der Mzoozoozoo Lodge mit deutschen Weltwärts-Freiwilligen

Bernhard für mich dann freundlicherweise zur Uni zurück, sogar bis vor meine Haustür. Drinnen warteten meine beiden norwegischen Mitbewohnerinnen auf die Rückkehr ihrer Partygäste. Als diese drei malawischen Studierenden (darunter auch eine Forststudentin) wiederkamen begannen sie mit einem Trink-Kartenspiel, an dem ich mich aber nicht beteiligte. Später schaute ich mal zu der großen Showveranstaltung, die auf dem Campus stattfand, aber es war sehr voll und sah nicht nach echten Tanzmöglichkeiten aus. So bin ich dann um kurz nach 23 Uhr ins Bett gegangen. Die Mädels hörte ich dann um 1.30 Uhr zurückkommen. Bei der Gelegenheit tauschte ich dann meine Lampe am Stecker gegen mein Handy aus. Eine gute Idee, wie sich dann morgens um 5.20 Uhr beim Aufwachen zeigte: Der Strom war weg, aber das Handy fast aufgeladen. Und der Strom kam bis 19.30 Uhr nicht wieder. Zum Glück konnte ich morgens noch duschen, denn das Wasser war dann später auch weg (weil die Pumpen dafür eben auch Strom brauchen.)

Party in meinem Gästehaus mit meinen beiden norwegischen Nachbarinnen
Party in meinem Gästehaus mit meinen beiden norwegischen Nachbarinnen

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